MERLOT aus Moldawien
Top hotel-Autor Rudolf Knoll stellt in dieser Ausgabe wieder einen für die Gastronomie überaus interessanten Wein vor, der durch sein sehr gutes Preis-Wert-Verhältnis überzeugt .
VON RUDOLF KNOLL
Endlich! In einem Land wie Moldawien muss man
hartnäckig sein bei der Suche nach überzeugenden Weinen. Aber dann finden sich doch weinige Lichtblicke in diesem osteuropäischen Land, das seit 1991 selbstständig ist und sich damals fast mit dem westlichen Nachbarn Rumänien zusammengeschlossen hätte.
Moldawien geht es nicht gerade gut. Der Durschschittsverdienst liegt bei umgerechnet 100 Euro, viele Familien können nur mit Nebenjobs oder durch Zuwendungen von Auswanderern aus Italien oder Portugal überleben. Es gibt allerdings auch Anzeichen des Aufschwungs. So macht die Hauptstadt Chisinau einen recht soliden Eindruck, und auf dem Land trägt der immer schon bedeutende Weinbau dazu bei, dass es aufwärts geht. Seit über 5000 Jahren wird in Moldawien Rebbau betrieben, denn die geografischen Voraussetzungen - das Land liegt auf dem gleichen Breitengrad wie die Bourgogne - sind durchaus gut. Wieviel Rebfläche es derzeit gibt, kann nur geschätzt werden, vermutlich sind es ca. 170 000 Hektar. Man trifft hier viele europäische Sorten, die schon im 19. Jahrhundert eingeführt wurden.
Einige Weinbaubetriebe sind geradezu riesig. Sie gehören teilweise dem Staat, können aber außer eindrucksvollen, gigantischen Kellern, die einst Steinbrüche waren und sogar mit Kleinbussen befahren werden, in puncto Qualität wenig überzeugen. Immerhin gibt es im 150 Kilometer (!) langen Keller von Cricova einige Dutzend Bouteillen aus Bordeuax und Deutschland, die früher Reichsmarschall Herman Göring besaß und die von den Russen Ende des Zweiten Weltkriegs erbeutet wurden.
Gute Weine findet man hingegen in einigen wenigen privaten Betrieben. Der beste ist sicherlich Château Vartely, ein junges Weingut, das seit 2004 einer großen, investitionsfreudigen Holding gehört und von einem jungen Team geführt wird. Der Betrieb in einer kleinen Ortschaft im Norden von Chisinau wurde von einem deutschen Weinhändler eher durch Zufall endeckt. Hier gibt es 190 Hektar Rebfläche und eine erst vor wenigen Wochen fertiggestelte Kellerei samt kleinem Hotel und Restaurant. Die Erklärung für das überraschend gute Niveau liegt im Ausbildungsweg von Kellermeister Arcadie Fosnea, der von 1997 bis 2001 an der würtembergischen Weinbauschule Weinsberg eine Ausbildung zum Weintechniker absolvierte und jetzt seinen damaligen Ausbildern alle Ehre macht.
Der Wein:
2005 Merlot Limited Edition, Château Vertely
Der Geschmack:
Feiner Duft nach Sauerkirschen und dunklen Beeren; elegant im Geschmack; viel Feuer, geschmeidig, reife Gerbstoffe; passt gut zu Wildgerichten, Lamm oder auch ganz einfach zu einem Steak vom Rind. |